Selbstführung

Was will ich eigentlich? Eine einfache 5-Minuten-Übung

Von Jana Schulze17. Oktober 20266 Min. Lesezeit
Jana Schulze im schwarzen Blazer vor einer Holzwand, den Blick nach links gerichtet.

Dein Kalender ist bis auf die Viertelstunde durchgetaktet. Dein Team weiß, was es zu tun hat. Du triffst Entscheidungen, hast Fristen im Blick und weißt genau, was deine Kinder gerade brauchen.

Du funktionierst verlässlich und auf höchstem Niveau.

Aber wann hast du dir zuletzt Zeit genommen, darüber nachzudenken, was du dir eigentlich für dein Leben wünschst? Wann hast du dich zuletzt gefragt: Was will ich eigentlich?

Ich finde jetzt, wo der Herbst beginnt, ist ein guter Zeitpunkt, diese Frage wieder aufzugreifen. Die Tage werden kürzer, wir verbringen wieder mehr Zeit drinnen und auch die Natur zieht sich langsam zurück. Eine schöne Gelegenheit, selbst den Blick wieder mehr nach innen zu richten.

Deshalb möchte ich dir heute eine einfache Übung vorstellen, mit der du deinen eigenen Wünschen wieder auf die Spur kommen kannst. Alles, was du dafür brauchst, sind fünf Minuten am Tag, ein Stift und ein Blatt Papier.

Wann hast du aufgehört, dich zu fragen, was du willst?

Eigene Wünsche verschwinden nicht plötzlich aus dem Blick. Das passiert meist langsam und schleichend.

Mit der Zeit nehmen berufliche Verpflichtungen, familiäre Aufgaben und die Erwartungen anderer immer mehr Raum ein. Du richtest deine Aufmerksamkeit zunehmend auf das, was gerade ansteht, was erledigt werden muss und wie du den unterschiedlichen Anforderungen gerecht wirst.

Dabei rückt die Frage nach deinen eigenen Wünschen immer weiter in den Hintergrund.

Und irgendwann stellst du vielleicht fest, dass du auf die Frage, was DU eigentlich möchtest, gar keine richtige Antwort mehr hast.

Dabei ist genau diese Frage entscheidend. Denn wie willst du dein Leben bewusst nach deinen eigenen Vorstellungen gestalten, wenn du kaum noch weißt, wie diese Vorstellungen eigentlich aussehen?

Warum einmal kurz darüber nachdenken nicht reicht

Vielleicht hast du dir die Frage nach deinen Wünschen und dem, was du eigentlich möchtest, schon einmal gestellt und festgestellt, dass dir darauf gar nicht so viel einfällt.

Das ist wenig überraschend, wenn du dich über lange Zeit kaum mit deinen eigenen Wünschen beschäftigt hast. Denn worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten, beeinflusst auch, was wir im Alltag bewusst wahrnehmen.

Wenn du wieder herausfinden möchtest, was du dir wünschst und wie du leben möchtest, lohnt es sich deshalb, diese Fragen regelmäßig aufzugreifen. Denn je häufiger du dich bewusst mit deinen Wünschen beschäftigst, desto mehr Raum bekommen sie auch in deiner alltäglichen Wahrnehmung.

Und dafür brauchst du zunächst nur fünf Minuten am Tag.

Mit einer einfachen Schreibübung kannst du anfangen, deine Aufmerksamkeit wieder gezielt auf deine eigenen Wünsche zu richten. Und mit der Zeit ein klareres Bild davon entwickeln, was du eigentlich willst.

Fünf Minuten, ein Stift und die Frage: Was wünsche ich mir?

Für diese Übung brauchst du nur ein Blatt Papier, einen Stift und fünf Minuten Zeit. Am besten suchst du dir einen festen Zeitpunkt am Tag, an dem du möglichst ungestört bist.

Und so funktioniert’s:

1. Stell dir einen Wecker auf fünf Minuten. Nimm deinen Stift und beginne zu schreiben.

2. Jeder Satz beginnt mit „Ich möchte …“, „Ich wünsche mir …“ oder „Ich will …“. Schreibe alles auf, was dir dazu einfällt. Ganz gleich, ob es ein kleiner Wunsch für deinen Alltag oder eine große Vorstellung für dein Leben ist.

3. Schreibe fünf Minuten lang ununterbrochen. Dein Stift bleibt dabei auf dem Papier. Überlege nicht lange, ob das, was du schreibst, sinnvoll oder realistisch ist. Schreibe einfach weiter. Wenn dir nichts Neues einfällt, wiederhole einen Wunsch, den du bereits aufgeschrieben hast.

4. Formuliere deine Wünsche immer positiv. Schreibe also auf, was du möchtest und worauf du zugehen willst. Zum Beispiel: „Ich wünsche mir einen Garten“, „Ich möchte mehr Zeit mit meinen Kindern verbringen“ oder „Ich wünsche mir 500.000 Euro auf meinem Konto.“ (so wie ich 😉) Alles darf auf dem Papier landen.

5. Wiederhole die Übung sechs Wochen lang jeden Tag. Plane dafür möglichst eine feste Zeit ein, beispielsweise morgens nach dem Aufstehen oder abends vor dem Schlafengehen.

Eine wichtige Regel gehört noch dazu: Wenn du einen Tag auslässt, beginnst du die sechs Wochen wieder von vorn.

Und damit ist die Grundlage geschaffen, um deinen eigenen Wünschen nach und nach wieder auf die Spur zu kommen.

Warum es völlig okay ist, wenn dir erst mal nichts Neues einfällt

Am Anfang schreibst du vielleicht immer wieder die gleichen Wünsche auf. Das ist vollkommen in Ordnung und kein Zeichen dafür, dass es nicht funktioniert. Schreib einfach weiter. Es müssen auch keine großen Lebensziele oder besonders bedeutenden Wünsche sein.

Das Interessante an der Übung passiert nämlich auch zwischen den fünf Minuten, in denen du schreibst.

Hier greift das Prinzip der selektiven Wahrnehmung: Worauf du deinen Fokus richtest, danach sucht dein Gehirn den ganzen Tag über im Hintergrund.

Wenn du weißt, dass du dich am Abend wieder hinsetzt und deine Wünsche aufschreibst, beginnst du schon tagsüber, bewusster darauf zu achten, was dir gefällt und was du erleben möchtest. Dir fallen Dinge auf, über die du vorher kaum nachgedacht hast. Du entwickelst neue Vorstellungen und entdeckst Wünsche, die schon lange in dir schlummern.

Nach und nach kommen neue Wünsche hinzu, andere werden konkreter. So kann mit der Zeit aus vielen einzelnen Wünschen ein immer klareres Bild davon entstehen, wie du dein Leben eigentlich gestalten möchtest.

Und was machst du, wenn du wieder eine Idee davon hast, was du willst?

Die eigenen Wünsche zu kennen, ist eine wichtige Grundlage, um dein Leben bewusster nach deinen eigenen Vorstellungen zu gestalten.

Natürlich bedeutet das nicht, dass du dir jeden Wunsch erfüllen wirst. Aber du kannst überlegen, welche Wünsche du tatsächlich verfolgen möchtest und was du dafür verändern kannst.

Vielleicht erkennst du auch, dass manche Entscheidungen, die du bisher getroffen hast, gar nicht so gut zu dem passen, was du eigentlich willst.

Je klarer du deine Wünsche kennst, desto besser kannst du sie bei deinen Entscheidungen berücksichtigen und deine Prioritäten danach ausrichten.

Vielleicht ist jetzt ein guter Zeitpunkt, wieder anzufangen

Warum also nicht die kommenden Wochen nutzen, um den eigenen Wünschen wieder auf die Spur zu kommen?

Fünf Minuten am Tag sind ein Anfang. Du musst heute noch nicht wissen, wohin dich das führt.

Aber du kannst anfangen, dich wieder regelmäßig mit einer Frage zu beschäftigen, die für die Gestaltung deines Lebens ziemlich entscheidend ist:

Was will ich eigentlich?